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Persönlichkeit und Wirkung fängt beim Sprechen an. Bereits in einem früheren Artikel hatte ich auf die Vorteile eines bewussten Umgangs mit der Sprache aufmerksam gemacht. Hier nun acht konkrete Rhetorik-Tipps, um mit Hilfe kleiner Veränderungen viel zu bewirken:

1. “ich muss”, “du musst” oder “wir müssen” vermeiden

Je öfter du das Verb “müssen” verwendest, desto passiver erscheinst du, desto mehr schränkst du dich selbst ein und desto mehr wirkst du wie ein getriebener Mensch, der nicht über seinen Aufgaben steht, sondern dessen Sklave ist. Je aktiver du hingegen deine Sprache formulierst, desto klarer, kraftvoller und vor allem selbstbestimmter wirst du nicht nur wahrgenommen, sondern wirst du dich vermutlich langfristig auch selbst fühlen:

Sagst du “ich muss heute das erledigen”, sprichst du aus, dass du dich fremdbestimmt fühlst. Selbst, wenn es genau so ist, formuliere es doch einfach um in “ich werde heute das erledigen”. Sogleich sagst du zwar das Gleiche, drückst es aber selbstbestimmt aus.

Ähnliches gilt in Gesprächen mit anderen: Statt “wir müssen heute dies besprechen” entscheide dich für “lass uns das heute besprechen” oder “mir ist es wichtig, dass Thema heute zu besprechen”.

Mehr zu diesem Thema und dem Wort “müssen” findest du in diesem Artikel: https://www.nick-melekian.de/allein-mit-diesen-worten-wirst-du-dein-leben-aendern/

2. Indikativ statt Konjunktiv

Wähle für deine Aussagen statt Konjunktiv häufiger den Indikativ, denn das ist klarer und sehr viel ausdrucksstärker.

“Ich würde gerne mit dir reden” kannst du zwar sagen, jedoch ist “bitte lass uns reden, (das ist mir wichtig)” klarer und ausdrucksstärker.

3. Sprechpausen

Wer ununterbrochen und in einem Schwall spricht, macht es den Zuhörern nicht leicht, aufmerksam bei der Sache zu bleiben. Wenn du Aufmerksamkeit möchtest, nutze kleine und große Pausen. Am besten platzierst du sie vor bzw. nach wichtigen Aussagen oder schwer zu verstehenden Ausdrücken.

Beispiele: “Ich habe dieses Jahr ganze -Pause- 1 . 0 0 0   Euro -Pause- zur Verfügung gestellt” oder “Markus, –Pause (und am besten auch Augenkontakt) bis Aufmerksamkeit gesichert ist– hast du das verstanden?”

4. Modulation und Geschwindigkeit

Wer monoton immer auf der gleichen Tonhöhe spricht, wird kaum als charismatischer Redner wahrgenommen. Stattdessen schläferst du Stück für Stück dein Gegenüber ein. Achte daher darauf, deine Sprechgeschwindigkeit zu verändern und dabei auch die Tonhöhe im Verlauf zu verändern.

Ein Aufruf sollte wie ein Aufruf klingen. Ein Genuss wie ein Genuss. Gefühle wie ihre Ausprägung. Tipp: Höre dir bekannte Redner oder Schauspieler an und versuche, diese nachzuahmen.

Modulieren ist wie singen: Unterschiedliche Lieder unterscheiden sich in Melodie und Geschwindigkeit. Ähnlich ist es mit der Sprache: Auch hier gibt es einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende des Satzes. Jeder Satz erzählt also genau genommen eine in sich abgeschlossene Geschichte mit entsprechender Klangfolge.

5. Aufmerksamkeit erzeugen

Wenn du jemanden ansprichst und du dir dessen Aufmerksamkeit wünschst, rede nicht einfach drauf los und rufe schon gar nicht über sieben Ecken vom Wohnzimmer zum Gesprächspartner in die Küche herüber.

Bevor du zukünftig deinem Gegenüber (auch Kindern) hin- und wieder etwas Wichtiges sagen möchtest:

  1. Sprich ihn stets mit Namen an
  2. Baue dann zunächst Blickkontakt auf
  3. Im privaten Rahmen bietet es sich darüber hinaus an, Körperkontakt aufzubauen. Lege beispielsweise deine Hand auf die Schulter oder Oberarm des Gesprächspartners.
  4. Kombiniere es eventuell noch mit einer kurzen rhetorischen Pause, bis dir die Aufmerksamkeit sicher ist.

7. Sag konkret, was du vom Gegenüber willst – nicht, was du nicht willst

Viele Menschen wissen zwar, was sie nicht möchten. Jedoch können viel weniger Menschen ausdrücken, was konkret sie wollen. Gerade in Erfolgs-Lektüren wird auf die Wichtigkeit dieses Vermögens hingewiesen.

Aber auch in der Kommunikation mit anderen Menschen ist dies ein wichtiges Thema: Vermeide zu sagen, was du nicht willst – gib stattdessen konkrete Handlungsanweisungen:

Statt “vergiss nicht, …. zu tun”, sage lieber “ich brauche ….. bis Donnerstag. Ruf mich kurz an, wenn du es erledigt hast.”

Noch besser wäre es

  1. dein Gegenüber zunächst zu fragen, bis wann sie/er schätzt, die Aufgabe zu erledigen
  2. gib dann eine klare Vorgabe
  3. vereinbare einen Abgabetermin
  4. Lass dir das vom Gegenüber bestätigen

8. Sei sparsam mit dem Wort “aber”

Bist du nicht ganz einverstanden mit der Aussage einer anderen Person? Wünschst du dir ein anderes Arbeitsergebnis? Hast du eine andere Haltung zu einem bestimmten Thema? Sei sparsam mit dem Wort “aber”, denn es kann unnötig blockierend wirken. Formuliere ganz einfach eine Handlungsanweisung:

Statt “Das ist gut, aber dies gefällt mir gar nicht,” sage lieber “Das ist gut. Lass uns noch xxxx überdenken: Ich meine, dass …”

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Text: © Nick Melekian